Eigentlich sollte an dieser Stelle ja eine Review des Monumentalfilms “Hollywood Chainsaw Hookers“ erscheinen, aus aktuellem Anlass möchte ich aber des Zeitplan etwas abändern und zuerst die Besprechung eines etwas moderneren Films voran schicken.

Nach einer langen Zeit der Abstinenz habe ich gestern Abend mal wieder einen Film der Kategorie “Horror“ gesehen. Der kanadische Film “End of the line“ von 2007 versprach gruselige 95 Minuten, die Handlung klang sehr ansprechend und unterm Strich waren die Kritiken auch gar nicht mal so übel. Was ich dann zu sehen bekam war aber leider eher ein Film aus der Kategorie „geistige Endstation“. Für B-Movie Verhältnisse war der Film hervorragend produziert, die Kameraführung angenehm, und die schauspielerischen Leistungen allesamt mittelmäßig, aber unterm Strich in Ordnung. Es ist das immer wiederkehrende Problem bei B-Movies, dass sehr selten alle Abteilungen eines Films mit adäquaten Köpfen besetzt werden. Ich vermute, dass es einfach ein pekuniäres Problem ist, welches in letzter Konsequenz zu derartigen Ausfällen auf Zelluloid führt, denn in „End of the line“ hat es einfach nicht mehr für ein gutes Script und einen talentierten Regisseur gereicht.

Die Zutaten dieses schwerverdaulichen Film-Menus klingen dabei gar nicht mal so übel. Wir haben das Ende der Welt, eine durchgeknallte Christensekte, U-Bahntunnel für eine beklemmende Stimmung und hektoliterweise Kunstblut. Würde man dies alles nun mit einer Priese Spannung und Originalität abschmecken, hätten wir doch ein hervorragendes Horror-Menu. Dummerweise schmeckte man hier allerdings mit Filmfehlern, geistiger Umnachtung, Ungereimtheiten und Unglaubwürdigkeit ab, was das ganze eher zu einem Horror Big Mac von Vorgestern vollendet. Aus diesem Grund würde ich schon allein für die Lektüre dieser Review empfehlen, Alka Seltzer griffbereit zu halten.

Der Film beginnt mit einigen malerischen Bildern eines U-Bahntunnels, während die Credits und eine Musik, die eine erstaunliche Ähnlichkeit zur Leitmelodie von „Der Pate“ aufweist, abgespult werden. In den ersten 10 Minuten Film erfahren wir, wer unsere Hauptdarstellerin sein wird und das offenbar alle Menschen in diesem Film stark halluzinieren und deshalb gefahrlaufen sich vor fahrende U-Bahnen zu werfen. Karen, unsere Hauptdarstellerin, arbeitet offenbar als Krankenschwester in einem Irrenhaus und hat selbst ebenfalls schon einen mächtigen Dachschaden davongetragen, der sie von einer bluttriefenden psychotischen Episode in die nächste stürzt. Nachdem sich eine ihrer Patienten erfolgreich vor eine U-Bahn wirft, sich die Emotionen zu einem schauspielerischen Fettbrand entwickeln und diverse Irre das Ende der Welt herbeifaseln, macht Karen endlich Feierabend und bricht auf gen U-Bahnschacht.
Dort angekommen wird sie von einem “Ich-säh-gerne-aus-wie-Quentin-Tarantino“ – Typ belästigt und Mike tritt auf, unser nächster Hauptdarsteller, der Karen von unseren “Tarantino-Ripp-off“ befreit.

Der Zug kommt an, alle steigen ein und der Regisseur entscheidet sich in den nächsten 20 Minuten Christopher Nolans Konzept der nicht linearen Handlungsstränge zu kopieren. Im Gegensatz zu “Memento“ ist “End of the line“ allerdings kein intelligentes, meisterhaftes Verwirrspiel mit “Aha-Effekt“, sondern viel mehr der gescheiterte, plumpe Versuch als solches zu wirken. Aus diesem Grund erspare ich mir die Beschreibung der Technik und fasse nur kurz die Handlung zusammen. Im Zug befindet sich eine geistig geforderte Christensekte, die von ihrem Anführer per SMS informiert wird, dass der jüngste Tag angebrochen ist und dass sie nun mit ihren Kreuz-Dolchen so viele Menschen wie möglich abstechen sollen, um diese zu erlösen. Klingt komisch, ist aber so. Es beginnt ein fröhliches Metzelspiel und am Ende verschanzen sich Karen. Mike und einige Überlebende, in einem Kontrollraum der U-Bahn. An diesem Punkt wäre dann auch Maurice Deverauxs Idee, ein B-Movie mit künstlerischen Anspruch zu erschaffen, kläglich gescheitert und abgehakt.

Die nun zusammengewürfelten Charaktere sind wirklich keiner weiteren Beschreibung oder Namensgebung wert. Aus diesem Grund erspare ich mir die DVD noch einmal anzuschalten und mir die unwichtigen Personen zu merken. Man beratschlagt nun im Kontrollraum was wohl zu tun sei. Manche glauben an die Apokalypse, manche nicht. Manche wollen fliehen, manche wollen bleiben. Das Fernsehen sendet nur noch Blut und einen durchgefeuerten Sektenboss, der weiter zu Mord und Totschlag aufruft. Nach gefühlten 3 Wochen ist die Entscheidung gefallen: Keiner weiß was los ist, manche bleiben im Kontrollraum und manche versuchen zu fliehen. (Um Himmelswillen!!! 20 Minuten Diskussion und am Ende resultiert es dann doch wieder in der Ausgangssituation!) Natürlich werden die im Kontrollraum zurück gebliebenen von den Sektenmitgliedern gefunden und abgeschlachtet. Hierbei kommt es zu einer sehr unschönen Szene, in der eine schwangere ermordet wird und ihr der Fötus aus dem Leib gerissen und in die sterbenden Arme gelegt wird. Diese Szene passt überhaupt nicht in den Film und ist unnötig grausam und blutrünstig. Die Sektenmitglieder sind zwar durchgeknallt, handeln aber im Namen Gottes und versuchen eigentlich die Menschen zu erlösen. Dieser Akt absoluter Grausamkeit passt also im Endeffekt überhaupt nicht zur Handlung und rückt den Film plötzlich in ein ganz anderes, ekliges Licht.
Derweil werden die Reihen der Fliehenden immer weiter ausgedünnt und unser “Tarantino-Look-Alike“ entpuppt sich als oberfieser Offizier der Sekte, der sogar auf deren abgedrehte Anarchoregeln pfeift und sein ganz persönliches Armageddon ausruft. Er wird dabei allerdings so übertrieben bösartig dargestellt, dass der Charakter jegliche Glaubwürdigkeit verliert und man für die Beschreibung der Figur ein neues Wort wie “Überunfreundfeinddämon“ erfinden müsste.

Und damit war es das dann auch an Handlung. Zum Ende hin sterben immer mehr Charaktere in mehr oder minder blutrünstigen Aktionen, bis letztlich nur noch Karen am leben ist und im direkten Kampf, Mann gegen Krankenschwester, Tarantinos unehelichen kleinen Bruder abmurkst.
Dummerweise ist aber wirklich Armageddon und aus den herumliegenden Leichen schlüpfen aus unerfindlichen Gründen plötzlich kleine blaue Kobolde, die dann auch Karen fertig machen. Klappe zu, alle tot, habe fertig – Danke!

Was bleibt zu sagen über „End of the line“? Eigentlich nicht mehr viel. Das äußere Erscheinungsbild des Films ist gut. Und das war’s auch. Gute Bildqualität, angenehme Kameraführung, mittelmäßige Schauspielkunst, und jede menge Gore können leider nicht über das miese Drehbuch und die schlechte Regie hinwegtäuschen. Die Story ist unglaubwürdig, entwickelt sich schlecht und in stümperhafter Regie umgesetzt. Auf Filmfehler bin ich in dieser Review noch nicht einmal eingegangen, da dies den Rahmen gesprengt hätte. Außerdem möchte ich nicht dieses „Häh!?-Gefühl“ im Überraschungsmoment verderben, für den Fall, dass sich der ein oder andere durch meine Review berufen sieht sich diesen Film anzutun.

Ist „End of the line“ ein schlechter Film?

Das kann man wohl so sagen, ja.

Werde ich ihn mir nochmal ansehen.

Ganz sicher nicht in diesem Leben.

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