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Remakes sind ja seit einigen Jahren wieder eine beliebte Möglichkeit, Einfallslosigkeit zu Geld zu machen. 2004 hat mich allerdings fast der Schlag getroffen, als ich erfuhr, dass ein Remake des großen „Dawn of the Dead“ in die Kinos kommen sollte. Ich freute mich sehr, dass Romero sein Meisterwerk nochmal neu auflegen wollte und die Möglichkeit bestand, diesen Film noch legal und frei überall zu erwerben. Leider stellte sich heraus, dass Romero mit diesem Streifen nichts zu tun haben würde und ein Regisseur namens Zack Snyder die Verantwortung für diesen Film tragen sollte. Mir war bis dato dieser Name gänzlich unbekannt aber ich war gewillt dem Film eine Chance zu geben. Viel kann man ja mit einer Neuverfilmung des großen „Dawn of the Dead“ nicht falsch machen und der Film wurde auch, wie erwartet ein kommerzieller Erfolg und verhalf Zack Snyder zu internationaler Bekanntheit.

Nun, sechs Jahre nach Veröffentlichung dieses Filmes ist es wohl an der Zeit, dass dieser mal auf Herz und Nieren geprüft und direkt mit der großen Vorlage verglichen wird. Und wo könnte das besser geschehen als hier, am Rand des Wahnsinns? Um diesen Vergleich machen zu können, habe ich mir extra eine „cut“ und „ab 16“ Version des großen Klassikers besorgt, um hier auch unbeschwert über diesen Film sprechen zu können und keinerlei Risiken einzugehen.

Zunächst möchte ich kurz auf die Rahmenstory der beiden Filme eingehen. „Dawn of the dead“ war die Fortsetzung von Romeros „Night of the living Dead“, welcher als erster Film des Zombie- Horror – Survival – Genres zuzuordnen ist und 1968 in die Kinos kam. „Dawn of the Dead“ erzählt in beiden Versionen die Geschichte von einer Hand voll Überlebenden der Zombieapokalypse, die sich in einem Einkaufszentrum abschotten. In Romeros Version genießen die Protagonisten lange Zeit die Annehmlichkeiten des Lebens, bis eine Rockergang in das Kaufhaus einbricht, somit die Zombies herein lässt und die Überlebenden fliehen müssen. In Snyders Version brechen die Überlebenden irgendwann von allein auf, da sie hoffen auf einer Insel zu flüchten und so den Zombies zu entkommen.

1. Weibliche Hauptdarsteller

In Romeros Version haben wir nur eine einzige weibliche Hauptdarstellerin, die obendrein auch noch eine Schwangere darstellt. Sie ist blond, relativ unfähig, mittelerträglich und bringt den Film nicht unbedingt weiter, hält ihn aber auch nicht auf. Die Schwangerschaft spielt im Film keine wirkliche Rolle und somit hätte Romero auf dieses Feature auch gut verzichten können. Ihr Charakter ist sehr eindimensional gehalten und man betrachtet sie eher als minder wichtige Ergänzung zu den starken männlichen Hauptrollen.

Snyder fährt im Gegensatz dazu gleich zwei weibliche Charaktere auf und erhebt eine von Beiden sogar zur absoluten Hauptrolle des Films, was dem Film ehrlich gesagt zu Gute kommt. Die Rolle der „Ana“ ist eine wichtige und tragende Rolle im Film. Sie ergänzt die harten, brutalen männlichen Charaktere perfekt und bietet sehr viele Identifikationspunkte für den Zuschauer. Die zweite weibliche Rolle ist dagegen eher unbedeutend. Zwar baut Snyder die Schwangerschaftsproblematik weiter aus als Romero, ergeht sich hier aber in einer frechen „Braindead“- Kopie, indem er ein Zombiebaby über die Leinwand krabbeln lässt. Mit viel Wohlwollen kann man das eventuell als Hommage an Peter Jacksons größtes B-Movie durchgehen lassen, es bleibt aber ein fader Nachgeschmack übrig.

Unterm Strich hat Zack Snyder trotz alledem die besser ausgearbeiteten weiblichen Rollen und somit geht der erste Punkt an das Remake.

2. Männliche Hauptdarsteller

Romeros Film weist insgesamt drei männliche Hauptdarsteller auf. Einen Verkehrsreporter namens Steve und zwei Polizisten namens Roger und Peter. Natürlich machen die beiden Polizisten keine Gefangenen und gehen Kompromisslos gegen die Untoten vor. Steve hingegen wird eher als unbeholfener Trottel dargestellt. Roger ist der jüngere der beiden Polizisten. Sein Charakter ist waghalsig, cool und rigoros angelegt und steht somit im direkten Kontrast zum ruhigen, vernünftigen und immer bedacht handelnden Peter. Das Zusammenspiel der drei Charaktere ist fabelhaft, da sie jeder für sich genommen im Film einzigartig sind und auch ganz deutlich gezeichnet wurden, ohne dabei zu eindimensional zu sein. Im Laufe des Films entwickeln sich die Charaktere nur noch wenig, der Zuschauer bekommt aber durchaus verschiedene Facetten der Hauptfiguren zu Gesicht.

In Zack Snyders Film ist es für mich schon unmöglich zu sagen, wer Hauptdarsteller ist und wer nicht. Man lernt einfach zuviele Charaktere im Film kennen. Im Grunde genommen ist es aber auch egal, da keiner vernünftig ausgearbeitet wurde. Ich fand keinen männlichen Charakter mit dem ich mich identifizieren wollte, oder mit dem ich mitfieberte. Auch hier haben wir ein relativ trotteliges Milchbrötchen und einen Polizisten im Fokus der Aufmerksamkeit. Der Polizist, der übrigens von Ving Rhames gespielt wird, der durch die Rolle des “Marcellus Wallace“ in “Pulp Fiction“ bekannt wurde, ist dermaßen eindimensional, kühl und abgebrüht das man schon nach wenigen Auftritten des Charakters keine Lust mehr hat, diesem zu zu schauen. Michael, unser Milchbrötchen, macht im Film die wundersame Entwicklung vom Trottel zum Helden durch (gähn) Und dann gibt es noch den Bösewicht vom Wachteam des Einkaufszentrums, der am Ende natürlich der Märtyrer mit großem Herz ist, und den egozentrischen Unsympathen, der ein extra fieses Ende findet. (doppel gähn)

Hier kann Snyder nicht mit Romeros Charakteren mithalten und der Punkt geht eindeutig an das Original.

3. Die Zombies

Das Herzstück eines jeden Zombiehorrors sind natürlich die Zombies.
Romeros Darstellung der Zombies in „Dawn of the dead“ und zuvor „Night of the living dead“ ist bekanntlich Pionierarbeit der Zombiekunst. Die Menschen sind bläulich geschminkt und bewegen sich langsam und steif. Zwar mag diese Art der Darstellung hier und da belustigend wirken, durch die Masse der Zombies und die Tatsache, dass sich einfach überall ein Zombie versteckt halten könnte, kommt allerdings trotzdem ein einzigartiges, konstantes Gefühl der Beklemmung und Bedrohung auf und man nimmt den Darstellern ab, dass sie wiedererweckte, tote Menschen spielen. Um Vielfältigkeit in den Zombieverkörperungen zu gewährleisten, benutze Romero damals wie heute keine Choreografie und überließ die Darstellung der Zombies jedem einzelnen Darsteller. Seine einzige Forderung ist, dass die Statisten erst den „inneren Zombie“ in sich finden sollten, der Rest kommt dann von alleine.

Zack Snyders Zombies hingegen sind blitzschnell und hysterisch. Ihr Verhalten ist komplett durchgeplant und jeder Zombie verhält sich gleich Sie sind laut, grell, aggressiv und der Tot gab ihnen offenbar übermenschliche Kräfte. Sie verursachen beim schauen nackte Angst und Panik. Ihr verhalten gleicht jedoch mehr dem eines Raubtieres als dem eines toten Menschens, der irgendwie noch lebt. Auf Grund der Fortgeschrittenen Tricktechnik sehen die Zombie natürlich in Zack Snyders Version wesentlich besser und verrotteter aus. Das Glück der späten Geburt soll aber hier kein Kriterium zur Bewertung der Filme sein.

Snyders Zombies überzeugen mich nicht. Romeros Darstellung lässt in mir ein einzigartiges Gefühl von konstanter Bedrohung aufkommen, wohingegen das Horror-Panik-Gefühl, dass Snyders Zombies verursachen, heute wie Konservenkost aus Hollywood erscheint und damals nach einer faden Kopie des zuvor erschienenen “ 28 Days later“ roch. Von Innovation kann also keine Rede sein.

4. Der Splatterfaktor

Splattereffekte sind natürlich in Zombiehorrorfilmen von ganz essenzieller Wichtigkeit. Ein Zombiefilm steht und fällt mit der Menge an Kunstblut, die er vergießt. Hier kann ich ohne Umschweife sofort den Punkt an Zack Snyders Version geben. Dieser Film ist einfach nur blutrünstig. Die Farbe und Konsistenz des Kunstbluts lassen keine Wünsche offen, Zombies werden auf alle möglichen und unmöglichen Arten abgemurkst und das Splatterherz schlägt im ¾ Takt. Romeros Gewaltdarstellungen wirken dagegen relativ harmlos und zahm. Natürlich gibt es in Romeros Version jede Menge Kopfschüsse, Menschenfresserei und Gemetzel, aber er kommt nicht an die bluttriefende Gewaltorgie, die Zack Snyder in seinem Film abfeiert an. Ich denke, dass Romero auch keinen Splatterfilm sondern einen Horrorfilm erschaffen wollte. Für meinen persönlichen Geschmack übertreibt es Snyder sogar. Er investiert zuviel Mühe in die Splattereffekte und verliert wichtige Aspekte der Story des Originals dabei völlig aus den Augen.

Aber wenn es um die reine Bewertung des Splatterfaktors geht, muss der Punkt ganz klar an die Version von 2004 gehen.

5. Storytelling

Die Geschichte von „Dawn of the Dead“ ist relativ simpel gehalten. Trotzdem möchte sie professionell und kurzweilig erzählt werden, was beide Regisseure mit Stärken und Schwächen leisten. Romeros Art die Geschichte zu erzählen ist langsam und bedacht. Er ist detailverliebt und scheint manchmal zu übersehen, was nun wirklich noch wichtig für den Film ist und was schon unnötig und langweilig wird. Durch seine Erzählweise kann der Zuschauer sich zwar über eine lange Spielzeit des Films freuen, wünscht sich aber auch stellenweise einfach mehr Tempo, da der Film einzurosten droht.
Im Gegensatz dazu gibt Snyder viel zu viel Gas. Der Film rast so schnell daher, dass er schon wieder vorbei ist bevor man richtig mitbekommen hat, dass er begonnen hat. Gesellschaftskritik und ethische Problematiken werden gar nicht angeschnitten und jeglicher Tiefgang des Originals der modernen blutgierigen Effekthascherei geopfert. Es passt optimal zur Entwicklung des modernen Films. Mehr Action, mehr Effekte und weniger Handlung soll es sein bitte.
Für mich geht der Punkt hier ganz klar an das Original, auch wenn Romero manchmal den schmalen Grad zwischen einer ausführlichen Erzählung und Langeweile übertritt. Liefert er jedoch einen runden Film, der auf mehreren Ebenen überzeugen kann und nicht nur mit nackter Gewalt glänzt.

6. Filmmusik

Natürlich, haben die Herren von „Disturbed“ in den späten 70ern noch keine Musik gemacht und es war für Romero somit schlichtweg unmöglich, „Down with the sickness“ in seine Version einzubauen, trotz alledem ist die Wahl dieses Titels, einfach großartig. Auch „The Man Comes Around“ von Jonny Cash überzeugt mich sehr viel mehr als die seltsame 70er Jahre Horror-Sci-Fi-Synthesizer-Dudelmusik, die Romero verwendet. Es mag in den 70ern modern und toll gewesen sein, ist heute aber nur noch schwer zu ertragen und ganz ehrlich gesagt glaube ich, dass ich es auch in den 70ern schon unerträglich gefunden hätte, wäre ich alt genug gewesen.

7. Gruselfaktor und Atmosphäre

Snyders Version ist nicht gruselig. „Snyder hat aus Dawn of the dead“ einen hysterischen Splatterfilm gemacht, was nicht schlecht ist. Der Film hält einen konstant auf Alarmbereitschaft und ist dadurch sehr anstrengend und nervenaufreibend. Romeros Film hingegen überzeugt durch seine beklemmte, eingesperrte Atmosphäre und einen „Gruselthrill“, der an die alten Klassiker mit Boris Karloff und Bela Lugosi erinnert. Ich denke beide Arten der Umsetzung sind auf ihre Art und Weise gelungen, da ich mich aber hier entscheiden muss würde ich Romero den Vorzug geben, da er mit seiner Stimmung einfach meinen persönlichen Geschmack besser trifft.

Damit wären wir am Ende der Fahnenstange angekommen. Nach Punkten siegt Romeros Version knapp mit 4 zu 3. Ich denke es ist ein verdienter Sieg, alleine schon wenn man sich vor Augen führt, dass Romeros apokalyptische Zombievisionen dieses Genre überhaupt erst begründeten. Snyder hat ein vernünftiges Remake erschaffen, das zwar nicht ganz mit dem großen Vorbild mithalten kann, aber durchaus überzeugt und unter Freunden des gepflegten Metzelfilms zu Recht hohe Anerkennung geniest. Ich habe es ebenfalls sehr genossen Snyders Version damals, mit einigen Freunden und einigen kühlen Blonden, abzufeiern und hatte irgendwann einfach ausgeblendet, dass der Streifen auf dem großen Romero Klassiker basiert. Als eigenständiges Werk mit ähnlicher Thematik ist Snyders „Dawn of the Dead“ eine großartige Abendunterhaltung und hat auf diesem Blog, dank mächtigem Budget und aufwändiger Produktion, eigentlich nichts zu suchen.

Ist Zack Snyders „Dawn of the Dead“ ein schlechtes Remake?

Ich habe schon wesentlich schlechtere gesehen.

Werde ich ihn mir nochmal ansehen?

Absolut!

* „Dawn of the Dead“, 1978, Xrated, George A. Romero
„Dawn of the Dead“, 2004, Universal, Zack Snyder


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