Postal (2007, Boll Kino Beteiligungs GmbH & Co. KG, Uwe Boll)

Über Uwe Boll kann man sicher geteilter Meinung sein, aber dies wäre kein B-Movie Blog ohne zumindest einen seiner Filme vorzustellen. (Niemand möchte auch ernsthaft mehr als einen seiner Filme gesehene haben) Als Boll 2003 begann sein Augenmerk auf Game-Verfilmungen zu legen, folgten teilweise unsäglich fürchterliche Filme, die seinen schlechten Ruf bis heute begründen. Wer das Vergnügen hatte Machwerke wie Bloodrayne oder Alone in the dark zu “genießen”, weiß dass dieser Ruf mit Sicherheit nicht völlig ungerechtfertigt ist.
Aber lassen wir mal die Filme zweifelhafter bis minderer Qualität außer acht und werfen eine Blick auf “Postal”. Denn in diesem Film ist es Boll gelungen eine anständige Videospieladaption abzuliefern. Sicher ist er immer noch kein guter Regisseur, aber aus meiner Sicht fällt er in diesem Film zumindest nicht weiter negativ auf und macht einen anständigen Job.
Im Vorfeld möchte ich erst einige Worte über das Computerspiel Postal 2, welches Boll hier als Grundlage diente, verlieren. Von vielen wird dieses Spiel als eine der abartigsten Stücke Software bezeichnet, die je erdacht wurden. 2004 von der Firma “Running with Scissors” nach einer Idee von Vince Desi veröffentlicht, zeigt dieses Spiel in einem 3D Shooter wie es sein könnte, wenn jegliches Tun im Spiel ohne wirkliche Konsequenz bliebe und portraitiert dabei auf bitterböse Art und Weise die Verkommenheit der Amerikanischen Gesellschaft. Der Spieler spielt den “Postal Dude”, dessen Leben kaputt ist, der in einem Trailer wohnt und der, eine Woche lang, in Paradise City alltägliche und/oder groteske Aufgaben bestehen muss. Laut Vince Desi und RWS ist es möglich das Spiel ohne einen einzigen Schuss abzugeben zu beenden. Bei den meisten endet es aber schon am ersten Tag im Massenmorden, wilden Schießereien, Banküberfällen und der totalen Anarchie. Warum? Weil Postal 2 ein Spiel ist und es höllisch Spass macht, virtuell alle Grenzen zu übertreten und sich über den tief schwarzen Humor der Postalmacher tot zu lachen.
Wie macht Uwe Boll also aus einem solchen Spiel einen Film, und wieso behaupte ich, dass dieser sogar gelungen ist?
Ganz einfach, Boll kreiert mit “Postal” den Antifilm schlechthin. Die Handlung ist verrückt aber schnell erzählt. Der Postal Dude (Zack Ward) lebt in einem Trailerpark in Paradise City und sein Leben ist kaputt. Seine Frau ist fett, betrügt ihn mit der ganzen Stadt, er ist arbeitslos und obendrein noch pleite. Also, was tun? Er besucht seinen Onkel Dave, gespielt von Dave Foley, der eine hirnrissige Sekte betreibt und bettelt ihn nach Geld an. Onkel Dave hat aber leider gerade Ärger mit der Steuer und ist auch pleite. Also beschließen Dude, Dave und sein völlig debiler Adjutant Ritchie eine Lastwagenladung voller Krotchydolls zu stehlen. (Jawohl, die Puppen heißen nicht nur so, sie sehen auch aus wie Penisse incl. Juwelenbeutel) Offensichtlich ist dieses Spielzeug das beliebteste Spielzeug Amerikas und somit erhofft man sich satte Einnahmen. Dummerweise will der ortsansässige Taliban-Outpost ebenfalls an die Puppen ran, da man diese mit SARS voll gestopft hat und sie dringen für die Dschihad-Apokalypse braucht. So brechen alle auf zum Little Germany Vergnügungspark, um dort als Nazis getarnt, (na selbstverständlich) die Ankunft der Puppen abzupassen. Es kommt wie es kommen muss, die Taliban ist auch da und alles endet in einem riesigen Blutbad. Unsere “Helden” schaffen es die Puppen inklusive Verne Troyer zu stehlen, und man verschanzt sich im Bombenkeller der Sektenvilla. Hier stellt sich heraus das Ritchie nicht nur debil sondern vollkommen durchgeknallt ist und auch er die Menschheit mit SARS auslöschen will, so wie es in Onkel Daves, im Drogenrausch verfasster Bibel steht. Ritchie tötet Dave, muss aber Dude am leben lassen, da er der Einzige ist, der weiß wo der Laster mit den Puppen versteckt ist. Dude entkommt, trifft eine flüchtige Bekanntschaft aus einem Coffeshop und fährt zum Trailer in dem Ralf Möller gerade seine Frau besteigt. Hier warten bereits die Taliban, zahlreiche Stadtbewohner und auch die verbleibenden Mitglieder von Onkel Daves Sekte auf ihn. Wieder endet es in einem Blutbad. Dude sprengt den Trailer, macht sich auf den Weg die Stadt mit seiner neuen Frau zu verlassen und China feuert zusammen mit Indien 30 Atomraketen auf Amerika. Der Film endet in einem Atompilz.
Die Handlung ist relativ verrückt, aber unter B-Movie Freunden dürfte sie gerade ein müdes Gähnen bis wohlgemeintes Lächeln hervorrufen. Auch der Gewaltgrad ist für ein B-Movie eher unterdurchschnittlich. Was also rechtfertigt hier mein Lob an Uwe Boll und was hat der Film mit dem Spiel zu tun?
Uwe Boll hat nach meiner Meinung hier einen Film geschaffen, der genau wie das Spiel jede Grenze überschreitet. Die Brillanz liegt hier im Detail. Boll zeigt in diesem Film Dinge, die man normalerweise niemals in einem Film erwartet, und auch nur die wenigstens zu zeigen wagen würden. Der Film entwickelt dadurch einen völlig neuen Spannungsbogen, denn man fragt sich nicht mehr, wie wohl die Handlung weiter gehen wird, sondern mit welchem Tabubruch Boll als nächstes aufwartet. Der Film ist eine Kampfansage an jegliche Normen die man in unserer Gesellschaft waren sollte und ist auf eine absurde Art taktlos. Deshalb habe ich meine persönliche Top 10 Liste der Szene aus “Postal” zusammengestellt, die einfach auf so viele Arten falsch und geschmacklos sind.
Platz Nr. 10
Die Kleidung Dudes. Er trägt ein T-Shirt mit einem “Peace” Symbol und gleichzeitig zeitweise eine Nazibinde am linken und ein Anarchie Tattoo am rechten Arm.
Platz Nr. 11 09
Als Onkel Dave und Ritchie sich über die Steuerprobleme Onkel Daves unterhalten, steht dieser auf, (ohne jegliches Beinkleid, sei hier angemerkt) setzt sich auf die Toilette und beginnt sein Geschäft zu verrichten. Dabei spricht er weiter mit Ritchie und die Szene wird dem Zuschauer präsentiert, als stünde er frontal vor Onkel Dave und schaue ihm dabei zu.(Ich wollte schon immer mal jemandem SO beim Stuhlgang beobachten, sie nicht auch?)
Platz Nr. 08
Dude benutzt, wie im Spiel, eine Katze als Schalldämpfer. (Ja das würde PETA freuen)
Platz Nr. 07
Einer der Frauen Onkel Daves wird von einem Wachmann mit Kot belästigt. (Ich erspare uns allen die genauere Schilderung, bitte glauben sie mir, es ist ein verdienter 7. Platz)
Platz Nr. 06
Verne Troyer wird von 1000 Schimpansen in Speedos vergewaltigt, um so das Ende der Welt einzuleiten. (Noch Fragen?)
Platz Nr. 05
(siehe Trailer)
Platz Nr.04
Uwe Boll behauptet in seinem Cameo-Auftritt, dass er seine Filme mit Nazigold bezahlt und bezahlt einen Mann mit Goldzähnen. (Natürlich, ohne Nazimotive wären B-Movies doch auch nur halb so schön) Später erschießt ihn Vince Desi mit einem gekonnten Treffer ins Gemächt.
Platz Nr.03
Dude überfährt grundlos einen Kinderwagen mit darin liegendem Kind. (….!)
Platz Nr. 02
Während des Massakers in Littel Germany werden zahlreiche Kinder erschossen und dies mit Nahaufnahmen gezeigt. Am Ende verspottet eine Reporterin, die mit den Bildern Quote machen will, die Toten. (geht`s noch?)
Platz Nr. 01 (*Tusch*)
Am Ende des Films laufen Osama Bin Laden und Georg W. Bush Hand in Hand, über eine Wiese während um sie herum die Atompilze der asiatischen Raketen aufflammen. (erm…ernsthaft?)
Was bleibt zu sagen Über Postal? Der Streifen ist wirklich kein schlechter Film und auf seine groteske, abstoßende, taktlose Art und Weise einmalig. Wer viel Verständnis für Satire und schwarzem Humor mitbringt, wird mit diesem Film seine Freude haben. Alle anderen sollten sich lieber 2012 ansehen.
Ist Postal ein schlechter Film?
Er ist auf seine Art und Weise einmalig und gelungen.
Werde ich ihn mir nochmal ansehen?
Das habe ich bereits!
