Plan 9 from outer space (1959, Reynolds Pictures, Edward D. Wood Jr.)
Über Ed Wood und seine Filme kann man sicher geteilter Meinung sein. Die einen halten Ed für ein verkanntes Genie, die anderen für den wohl unbegabtesten Regisseur aller Zeiten. Ich tendiere auch eher dazu, ihn als verkanntes Genie zu sehen, spreche ihm aber auch eine bemerkenswerte und in diesem Ausmaß selten gesehene “Talentbefreitheit” nicht ab. Wenn man sich jedoch vor Augen führt, mit welchem Budget und in welcher Zeit Wood seine Filme realisiert hat, wirkt das Ergebnis gar nicht mal mehr so katastrophal, wie auf den ersten Blick. Die Streifen haben einen gewissen Charme und sind immerhin irgendwie bereits “Filme”. Andere Filmemacher hätten in dieser Zeit und mit vergleichbaren Auskommen eventuell ein bis zwei Szenen geschafft.
Trotz alledem sind Woods Filme doch nur schwer zu ertragen und selbst Bela Lugosi, der in Woods Filmen immer wieder erscheint, kann keine Klasse in Titel wie “The bride of the monster” oder “Glen or Glenda” bringen. Man fragt sich unweigerlich, wie es sein kann, dass Lugosi immer wieder seinen Namen für diese Machwerke hergegeben hat. War seine Drogensucht schon so weit fortgeschritten und war er wirklich so pleite? – Mit Sicherheit, aber wenn man Tim Burton glauben darf, verband Ed Wood mit Bela Lugosi zusätzlich eine seltsame Freundschaft, die zu großen Teilen auf Hochachtung Woods gegenüber Lugosi fußte.
Kommen wir nun zu dem Film, in dem Lugosi irgendwie doch und irgendwie aber auch nicht mitgespielt hat. “Plan 9 from outer space” der im Jahre 1959 erschienen ist weist in seiner Liste seltsamerweise Bela Lugosi als einen der Hauptdarsteller aus, verstarb jener jedoch bereits 1956. Wood hatte vor Lugosis Tod noch einige Aufnahmen gemacht und hielt es offenbar für eine gute Idee, diese in “Plan 9 from outer space” zu verarbeiten. Im Prinzip ist es ja eine legitime Praxis, Archivaufnahmen in Filmen zu verwenden. Selbst große Filmemacher wie Ray Harryhausen bedienten sich damals echter, allgemein zugänglicher Archivaufnahmen von Explosionen, exotischen Tieren, Raketen, Flugzeugen und vieler anderer Dinge deren Aufnahme in Eigenproduktion einfach zu aufwändig gewesen wären. Aber, nur knapp zwei Minuten Bildmaterial von Bela Lugosi zu besitzen, diesen zum Hauptdarsteller zu machen, in weiteren Szenen einfach eine völlig andere Person, die nicht im entferntesten aussieht wie Bela Lugosi, mit Umhang vor dem Gesicht zu zeigen, ist jedoch eine Meisterleistung, die nur Ed Wood vollbringen konnte.
Wenigstens stellt Lugosi im Film einen untoten alten Mann dar, wie passend!
Womit wir auch schon bei der Handlung dieses apokalyptisch schlecht umgesetzten Films angekommen wären:
Außerirdische wollen die Erde erobern, indem sie die Toten wieder zu neuem Leben erwecken. – Ende-
Die Handlung kann auch eigentlich vollkommen vernachlässigt werden. Es geht in diesem Film nicht darum der Story zu folgen oder irgendwie in das Geschehen einzutauchen, sondern viel mehr darum, die abstrakt groteske Art und Weise der Umsetzung zu bestaunen. Wann sieht man schon mal Archivbilder von Bela Lugosi, zusammengeschnitten mit Bildern von Vampira und einen Wrestler namens Tor Johnsons, die auf einem Pappfriedhof die schlechtesten Zombies aller Zeiten zum Besten geben? In diversen Szenen sieht man, wie Schauspieler die Grabsteine des Friedhofes über den Haufen rennen oder anderes Friedhofsinventar, mineralischen Ursprungs, fröhlich vor sich her wackelt. Nicht zu vergessen, die große Pappkiste, die eine Gruft darstellen soll und in der maximal eine viertel Person Platz hat, aber ich glaube fünf oder sechs Leuten Obdach bietet bei einer Beerdigung. Es erinnerte stark an diese winzigen Clownsautos, aus denen plötzlich zig maskierte Fröhlichheimer kriechen, nur dass “Plan 9″ nicht witzig gemeint ist.
Aber, sich über die Kulissen dieses Filmes zu ärgern ist wirklich müßig. Man erkennt ohnehin kaum, was das Gezeigte eigentlich darstellen soll.
Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Sets des Films in einer kleinen Slideshow zusammen zu schneiden. Ich wünsche viel Spaß:
“Plan 9″ ist wirklich ein wunderbares Erlebnis,auch wenn man sich auf den ersten Blick wirklich fragt, was der Titel eigentlich mit dem Film zu tun hat. So nennt sogar Criswell in seinem legendären Monolog am Anfang des Filmes den Titel “Grave robbers from outer space” und eben nicht “Plan 9″. Irgendwie macht dieser Titel auch wesentlich mehr Sinn. Auf Drängen christlicher Finanziers musste Wood damals allerdings dann den Titel ändern und hat anscheinend vergessen, diesen im Anfangs Monolog auch abzuändern. Zumindest wird dann später im Film kurz und fadenscheinig erklärt warum es der neunte Plan ist. Die acht vorherigen gingen wohl in die Binsen und somit ist Plan 9 der ultimative Meisterplan der bösen Außerirdischen. Meiner Meinung nach ist dieser Kaffee zu dünn, um wirklich zu schmecken. Aber das stört bei diesem Machwerk eigentlich auch schon keinen mehr. Ebenso wenig wie es noch stört, dass Wood regelmäßig Tag und Nacht durcheinander bringt. Ehrlich gesagt, ohne Ed Wood und “Plan 9 from outer space” wäre mir noch nicht mal bewusst geworden, dass es ein Problem der Filmemacherei sein kann, Szenen so aneinander zu schneiden, dass sie zeitlich linear erscheinen.
Jeder hat auch sicher schon einmal in einem Film gesehen, dass sich die Umgebung von einer auf die nächste Szene plötzlich leicht verändert hat, weil irgend ein Azubi aus versehen zwischen den Szenen ein Glas O-Saft von rechts nach links geschoben hat, oder sich die Füllhöhe auf wundersame Weise im Glas veränderte oder oder oder… Bei “Plan 9″ erlebt dieses Phänomen eine völlig neue, nie für möglich erahnte Qualität. Ganze Möbelstücke wandern durch den Raum, verschwinden einfach oder tauchen aus dem Nichts auf. Dachte Ed Wood wirklich, dass das niemand merkt?
Was bleibt zu sagen über “Plan 9 from outer space”? Diesmal ist es wirklich schwierig, da der Film als hohes Kulturgut gilt, aber gnadenlos in allen Kategorien, die einen guten Film ausmachen versagt. Dramaturgisch, handwerklich und künstlerisch ist dieser Film einfach nur ein komplettes Desaster, macht in dieser Desaströsität jedoch eine wirklich unterhaltsame Figur. “Plan 9″ funktioniert irgendwie, auf seine ganz spezielle Art und Weise, hauptsächlich durch unfreiwilligen Witz und stümperhafte Umsetzung, aber er funktioniert. Ich habe mich tot gelacht, fremd geschämt und mir ungläubig die Augen gerieben, aber gelangweilt habe ich mich nicht eine Sekunde. Ich denke, in einer Klassiker-Filmnacht, mit Freunden und Bier, sollte “Plan 9″ als Rausschmeißer zur späten Stunde auf gar keinen Fall fehlen.
Ist “Plan 9 from outer Space ein schlechter Film”?
Vielleicht sogar der schlechteste…..
Werde ich ihn mir nochmal ansehen?
Da ich die Ed Wood – Box in pink besitze, wäre es doch dämlich ihn nicht nochmal anzusehen, oder?
