Die Barbaren (1987, Cannon Productions, Ruggero Deodato) by “da Maze”
In einer Zeit, prachtvoll, wild und herrlich, wurden die Menschen alleine durch das Schwert regiert. Es war eine Zeit der Abenteuer, eine Zeit der Dunkelheit, der Dämonen und der Zauberei…
Mist! Beinahe hätte der Vorspann funktioniert!
Eine Landschaft mit Fantasy-Deko-Elementen, welche zu spärlich sind, um ihren Pappmaché-Charakter allzu deutlich zu offenbaren, ein kunstvoll eingefärbter Himmel, episch fauchender Wind und dazu ein heroischer Erzähler. So weit so gut, denken Sie sich. Hat ja bei Herr der Ringe auch geklappt. Leider gibt es jedoch oben drauf noch Musik, wie sie bei einem Endgegner von „Mega Man“ auf einer alten Nintendo-Konsole erklingen könnte und gleich drei Filmtitel – „The Barbarian Brothers“ aka. „I Fratelli Barbari“ aka. „Die Barbaren und Co.“ – werden dem Zuschauer um die Ohren gehauen. Also bitte…
Ich ignoriere diese Irritation und schaue weiter. Es ist eben ein Cannon Film, denke ich mir.
Wir erfahren im weiteren Verlauf der einsetzenden Handlung, dass die offensichtlich von einem Farbenblinden geschminkten Leute auf ihren fahrenden Wagenburgen keine Hippies von La Gomera, sondern die „Ragnicks“ sind, ein Stamm von Gauklern, der überall auf dieser archaischen Welt freies Geleit genießt.
Die Ragnicks, welche offenbar trotz ihres pazifistischen Freifahrtscheins Ärger mit Attilla und seinen ungewaschenen und schlecht kostümierten Schergen haben, sind auch das Volk von Kutchek und Gore, zwei muskelbepackten Dummbroten, die leider bereits als Kinder in die Sklaverei gerieten. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gerät auch noch das Heiligtum ihres Volkes – ein blutroter Rubin – in die Hände des Feindes und ihre Königin wird ebenfalls versklavt.
Klingt so weit wie Dorfgeschichten aus Udelfangen, finden Sie nicht auch?
Das personifizierte Böse ist in diesem Fall übrigens ein brutaler Herrscher namens Kadar (Richard Lynch), der wie eine Kreuzung aus David Bowie und sämtlichen James Bond-Schurken, vereint in einer Person, rüberkommt. Doch sehen Sie selbst:
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Ein böser Tyrann braucht natürlich auch Spießgesellen und so hat unsere blonde Löwenmähne unter anderem den Mann-mit-dem-Horn-auf-der-Stirn (aka. Der Kerkermeister) und die Frau-mit-der-Ankh-förmigen-Fickpalme (aka. Die Zauberin) um sich geschart. Für die Ragnicks hingegen sieht es ohne Königin reichlich schlecht aus.
Doch zum Glück treten unsere Protagonisten nach für nach auf den Plan, während Kadar zunehmend mit einem Autoritätsproblem zu kämpfen hat: Bisher nur kurz als fingerfressende Rotzblagen dargestellt, sind Kutchek und Gore (David & Peter Paul) mittlerweile zu zwei stattlichen Primaten heran gereift, die – frisch eingeölt und vollgepumpt mit Steroiden – durchaus mit einem 80er-Jahre-Arnie mithalten können. Und sobald die beiden Herren mit dem Intellekt einer herunter gebrannten Kerze festgestellt haben, dass sie Brüder sind und zusammen arbeiten sollten, anstatt sich gegenseitig in einer Arena zu zerfleischen, geht es Schritt für Schritt bergauf:
Da wird mit den Elchen um die Wette geröhrt, Henkersknoten werden mit der bloßen Halsmuskulatur gesprengt und reichlich Schergen des Bösen in handliche Stücke gehackt. Der Film spart nicht mit 80er-Jahre-Brutalität der trashigen Sorte und irgend wie ertappe ich mich immer wieder dabei, dass dieses Machwerk trotz zwei Protagonisten, die zu Recht für die goldene Himbeere in der Kategorie „Worst New Star“ nominiert wurden, anfängt, Spaß zu machen.
Die zwei freiwilligen Gehirnspender machen sich also auf, um wie üblich die Welt/ihren Stamm/den guten Geschmack zu retten und müssen dabei reichlich Hintern treten, Monster bezwingen und in finstere Verliese eindringen, bis es letztendlich zum Showdown gegen David Bowie kommt. Selbst ein grausiger Drache aus dem Räumungsverkauf einer 70er-Jahre-Geisterbahn muss vorher noch bezwungen werden.
Dreimal dürfen Sie raten, ob der Rubin in die richtigen Hände geraten, die Ragnick eine neue Königin erhalten und Udelfangen gerettet werden wird.
Es fällt mir ab diesem Punkt schwer, wirklich gemein zu dem Film zu sein, denn irgendwie gibt es nichts Erfrischenderes, als zwei tumben Barbaren bei dem zuzusehen, was sie am besten können: draufhauen und dummes Zeug reden. Und so kläglich die beiden Protagonisten auf einer Theaterbühne in der Rolle des Hamlet wirken dürften, so überzeugend spielen sie hier ihre Alter Egos aus der Heimsonderschule.
Rekapituieren wir also in Ruhe:
Die Story von „die Barbaren“ ist zwar – vorsichtig formuliert – blass, aber es gibt in diesem Genre weitaus Schlimmeres und wenigstens ist sie in sich weitgehend frei von gröberen Logikfehlern. Die Schauspieler sind klassische B-Ware und dennoch erfüllen sie ihren Zweck. Die Kulissen und Requisiten sind von Kaliber „Geisterbahn im Phantasialand Brühl“ und über die Monster und Special Effects verlieren wir besser keine Worte. Letztendlich spielt das aber auch alles gar keine Rolle mehr.
Irgendwie hat sich dieser Film auf plumpe Art und Weise in mein Herz gespielt und ich komme nicht umhin, ihn jedem B-Movie-Freund zu empfehlen, der Fantasy mag und sich von der tölpelhaften Machart der meisten Cannon Filme nicht abschrecken lässt.
Ist „Die Barbaren“ ein schlechter Film?
Ja, aber er ist ein absolutes Highlight der Muskelfilmwochen.
Werde ich ihn mir noch einmal ansehen?
Einmal ist keinmal.

Zu “Masters of the Universe”!
Zum Hintergrund!
zu “Herkules in New York”
Zu Sindbad!
* “Die Barbaren” ist Eigentum von Cannon Productions
