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Bereits seit einigen Jahren hörte ich immer wieder hysterische Erzählungen aus meinem Umfeld. Ständig fielen die Worte „Project“… oder auch „Blair“… aber erst bei dem Wort „Witch“ wurde ich hellhörig. Als ich nachfragte worum es denn geht, blickte ich meist nur in bleiche, erschrockene Gesichter, die Münder vor Entsetzen weit aufgerissen. Niemand wollte sich so recht dazu äußern. Auf energische Nachfrage wurde mir dann aber erklärt, „Blair Witch Projekt“ sei der erschreckendste, fürchterlichste Film aller Zeiten. Ein Freund erzählte sogar, er konnte danach nächtelang nicht mehr ruhig schlafen, geschweige denn durch einen Wald spazieren.. Da ich ja von mir selbst behaupte, ich sei ein unerschrockener Filmeschauer, wollte ich auch vor dieser Herausforderung nicht zurück schrecken. Also fasste ich den folgenschweren Entschluss mir diesen Film anzusehen. Ganz wohl war mir dabei allerdings nicht und so nahm ich vorsorglich eine Woche Urlaub, deckte mich für diesen Zeitraum mit allem Überlebenswichtigen ein und meldete mich in einer Selbsthilfegruppe an. Ich besorgte mir die DVD und starrte ängstlich auf das, was auf dem Bildschirm passierte…

„Im Oktober 1994 verschwanden drei Studenten in den Wäldern von Burkittsville, Maryland, beim Dreh eines Dokumentarfilms. Ein Jahr später wurden ihre Filmaufnahmen gefunden.“ So beginnt der Film Blair Witch Project. Und schon in dieser ersten Szene des Films stellt sich mir die Frage: Wusste niemand wo sie hin wollten? Hat niemand nach ihnen gesucht? Haben sie keine Familie? Aber am meisten schockt mich: den ganzen Film über wird erwähnt, dass die Kamera (mit der alles dokumentiert wird) sehr wertvoll und nur geliehen ist. Interessiert sich dann nicht wenigstens der Kameraverleiher dafür wo sein kostbares Teil abgeblieben ist?

Nun aber der Reihe nach, erst mal zur Handlung des Films:

Die drei selbsternannten Protagonisten des Films, Heather (die unangefochtene Schönheit des Films), Josh (der Hobbykiffer) und Mike (das stubenhockende Muttersöhnchen) machen sich auf nach Burkittsville, einem verschlafenen Örtchen in Maryland. Wie der Name des Films schon sagt, versuchen sie die Hexe von Blair zu finden. Diese soll einem Mythos zufolge für mehrere Morde verantwortlich sein (Ob sie es getan hat oder nicht: Zu ihrer Verteidigung muss man allerdings sagen, dass sie in den 1758 Jahren der Hexerei beschuldigt und mitten im eiskalten Winter in den Wald getrieben wurde). Ebenso sollen Kinder von einem Einsiedler getötet worden sein – eines soll dabei mit dem Gesicht zur Wand gestanden haben, während das andere getötet wurde. Also mehrere Dramen in einem Wald?

Unsere drei selbsternannten Helden führen nun zuerst etliche Interviews mit den Einwohnern von Burkittsville. Hierbei bekommen sie die verschiedensten Antworten: Einige glauben an die Hexe von Blair (klar, Merchandise-Artikel sichern so manchen Lebensunterhalt), andere wiederum nicht. Eine spezielle Bewohnerin aber, Mary Brown hat die Blair-Hexe sogar selbst gesehen! (Das dachte ich auch, war allerdings doch nur Mary Brown. Ich finde die Maskenbildnerin hat einen Oskar verdient!)

Nachdem das selbsternannte Filmteam also keine weiterbringenden Erkenntnisse erworben hat, machen sie sich selbst auf nach „Black Hills Forest“ (ohja, klingt ja schon so tierisch mysteriös!) Dort angekommen beginnen sie eine Wanderung zu irgendwelchen Steinen, die wohl Schauplatz einer Tragödie wurden. Den Namen werde ich hier nicht erwähnen, es ist es einfach nicht wert.. Als sie sie erreicht haben wirft sich Heather (wie immer übrigens) vor die Kamera und zitiert irgendwelche Stellen aus fragwürdigen Büchern. Das alles trägt natürlich zu einer fürchterlich geheimnisvollen Stimmung bei. (ich warte immer noch gespannt auf den „richtigen“ Beginn des Films…).

Die drei selbsternannten Überlebenskünstler schlagen also schließlich ihr Nachtlager auf und begeben sich in ihre Schlafsäcke. Selbstverständlich hören sie komische Geräusche (gut dass sie darüber sprechen, ICH hätte sie nicht gehört), finden aber doch irgendwann ihren Schlaf.

Es folgen tragische Szenen in denen die drei selbsternannten Intelligenzbolzen versuchen unverrichteter Dinge (von der Hexe fehlt jede Spur) zurück zu ihrem Auto zu gelangen. Da das Superweib Heather aber offensichtlich unfähig ist die Karte zu lesen und auch Mike und Josh nicht survival-erprobt sind, müssen sie es irgendwann aufgeben und schlagen wieder einmal ihr Zelt auf . (Und ich warte immer noch auf den Beginn des Gruselschockers des Jahrtausends!)

Die drei selbsternannten Freunde beginnen immer mehr zu streiten und Heather, unsere beste Schauspielern versucht sich an Tränen um ihre Verzweiflung auszudrücken. Die Jungs allerdings täuschen uns Aggressionen vor. Alles in Allem eine sehr arme Vorstellung aller Beteiligten.

Auch die geheimnisvollen, morgens vor dem Zelt liegenden Steinhaufen können mich nun nicht mehr aufheitern. Die drei selbsternannten Schauspieler tun nun also überrascht als sie aus dem Zelt kommen und versuchen sich das Geschehene zu erklären. Ja, da liegen Steinhaufen – na und? Jeder Kleine-Jungen-Streich ist gruseliger als Steinhaufen! Schon mal auf die Idee gekommen, dass es auch einer von euch gewesen sein könnte?

Der Augenblick ist gekommen: Ich löse mich von dem Gedanken in diesem Film meinen Meister gefunden zu haben.

Nach diversen Tagen und Nächten in denen unsere drei selbsternannten Schwachmaten ratlos durch die Wildnis irren, passiert endlich das Unerwartete! Josh ist verschwunden! Oh nein, oh nein, wo ist Josh nur hin? Heather und Mike suchen ihren treuen Freund, allerdings – natürlich – ohne Erfolg. Hier soll der Zuschauer wohl mit den unendlichen Weiten eines Waldes konfrontiert werden. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass man nicht mitbekommt wenn jemand das Zelt verlässt/betritt, wo man ja nur nachts immer komische Geräusche hört, da schläft man sehr tief!

Josh taucht jedenfalls nicht mehr auf, wohl aber ein kleines, blutiges Bündel! Darin: Zähne und Finger! Klar, die KÖNNEN nur zu Josh gehören. Hier also ganz neuer Aspekt des Films. Sowas hat man noch nie gesehen! (Also ehrlich, hätte es nicht wenigstens was Anderes sein können, als diese 0-8-15-Zähne und Finger?)

Heather und Mike brechen also in pure Panik aus und irren durch die Wälder. (Mein Blick wandert immer wieder auf die Zeitanzeige des DVD-Players und mir drängt sich der Gedanke auf: „So lang kann er doch nicht mehr dauern!!“) Eines Nachts hören sie Schreie. Die selbstverständlich nur von Josh, ihrem verschollenen, selbsternannten zahn- und fingerlosen Freund stammen können! Also hechten die Beiden los, selbstverständlich wie immer mit der Kamera aufnehmend durch die Dunkelheit. Heather gibt wieder alles an Schnappatmung und hetzt Mike, von dem man nur hin und wieder einen Schuh zu sehen bekommt hinterher. Ich will mich ja mal über die Kameraführung gar nicht auslassen. Schlimm genug, dass alles dokumentiert wird. Aber: wenn ich doch Angst um mein Leben habe und mich fürchte – geht meine erste Handbewegung dann an den rec-Knopf der Kamera? Oder höre ich doch eher auf meine Fight-or-Flight-Instinkt? Ganz klar, ich greife zur Kamera und halte meinen Tod auf Band fest, in der Hoffnung, irgendjemand findet ein Jahr später diese Aufnahmen und ich werde berühmt! (Wind und Wetter zum Trotz, Technik ist unkaputtbar!)

Zurück zum Film, auch wenn es schwer fällt: Heather und Mike gelangen zu einem alten Gemäuer, aus dem unverkennbar Joshs Schreie kamen. Dies haben die beiden selbsternannten Scouts herausgefunden, obwohl sie laut geschrien, geweint, geatmet und getrampelt haben. Hut ab! In dem Gemäuer eilen die Beiden erst ziellos umher, bis Mike in den Keller rennt. Heather folgt ihm, dicht auf den Fersen, man sieht wie Mike regungslos mit dem Gesicht zur Wand steht. Kurz darauf stürzt die Kamera zu Boden und die Aufnahme bricht (endlich) ab.

Siehe da: der Kreis… naja… das Malen nach Zahlen schließt sich… irgendwie?

Was bleibt zu sagen über „Blair Witch Project“? Anfangs dachte ich wirklich, das könntenoch was werden, aber nach und nach wurde ich einfach nur bitter enttäuscht. Was bitte ist so gruselig daran einen ganzen Film lang irgendwem in die Nase zu schauen? Genau dazu wird man nämlich genötigt wenn Leute versuchen sich selbst zu filmen! Das gruseligste daran war wirklich, dass man Angst haben musste gleich Schnodder zu sehen! Besonders bei Heather (die mit der schönsten Nase, die man nämlich STÄNDIG sieht), die ihre Nase ständig hochziehen muss! Wenn ich daran zurück denke wird mir übel und ich verspüren den starken Drang ihr die Nase zu brechen!


Ebenso kann ich nicht nachvollziehen warum man bei dem Film nicht zwischen Angst-Stöhnern und Orgasmus-Stöhnern unterscheiden kann? Vielleicht hätten unsere selbsternannten Superstars doch eher bei American-Pie mitspielen sollen? Und NOCH weniger kann ich verstehen wie diese Zusammenkunft von billigsten Filmtricks, gepaart mit pietätloser Irreführung des Publikums auch nur auf eine arme, hilflose DVD gebrannt werden konnte.

Mittlerweile denke ich, die Meinung des Films, er sei „soooo fürchterlich“ ist nur daraus entstanden, dass alle Angst davor hatten und niemand den Film wirklich gesehen hat. Denn wer ihn gesehen hat fühlt sich nun genau so wie ich:

Absolut verarscht und um 78 wertvolle Minuten seines Lebens betrogen

Ist Blair Witch Project ein schlechter Film?

Ich finde das Wort „Film“ hat er nicht verdient

Werde ich ihn mir nochmal ansehen?


Ich habe die DVD zerbrochen!


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