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Am Wochenende war ich mal wieder im Kino. Mit einem guten Freund wollte ich einen Film namens “Sucker Punch“ anschauen. Mehreren Wochen zuvor fragte er mich bereits, ob ich Interesse an diesem Streifen hätte und nach kurzer Recherche war ich dem Film auch in der Tat nicht abgeneigt. Zack Snyder hatte mich in der Vergangenheit bereits mit “Dawn of the Dead“ und “300“ überzeugt und der Trailer von “Sucker Punch“ erinnerte mich stark an ein, von mir sehr geschätztes, Videospiel namens “Onechanbara – Bikini Zombie Slayers“. Es schien also, als spräche nichts gegen diesen Film und ich willigte zum Filmvergnügen großleinwandiger Art ein. Eine kleine Stimme der Weisheit versuchte mich allerdings noch zu warnen. Bartwichtels Worte, voll Abscheu und Qual, waren es die ich im Hinterkopf behielt als ich zum hiesigen Cinemaxx aufbrach. Doch sollte sein Versuch der Warnung vergebens bleiben, denn Kritiker hatten meinem Begleiter bereits mit Lügen und falschen Versprechungen den Kopf verdreht und somit wurden Bartwichtels wohlgemeinte Worte, die ich meinem Kumpel vortrug, leider ignoriert. Wir kauften unsere Eintrittskarten, nahmen in der Loge platz und gaben uns erst einmal der dreißigminütigen Trailerbelästigung hin, die man im Kino nun mal standardmäßig aufgenötigt bekommt. Die Qualität der gebotenen Trailer war bereits so unsäglich, dass wir schon da begannen, ein leichtes Gefühl von Unbehagen und übler Vorahnung zu verspüren. Ich nahm einen tiefen Schluck aus meinem überdimensional großen Colabecher, der nebenbei der heimliche Höhepunkt dieses Abends werden sollte, als der Saal sich verdunkelte, die Gespräche verstummten, die Leinwand in voller Breite freigelegt wurde und “Sucker Punch“ begann.

Zu Beginn macht “Sucker Punch“ gar keine schlechte Figur. Der Zuschauer wird Zeuge, wie der noch unbekannten Hauptdarstellerin, durch einen widerlichen, bösen Menschen furchtbares Unrecht angetan wird.

Er tötet ihre kleine Schwester und lässt das Geschehene so aussehen, als sei die Hauptdarstellerin die Mörderin. Die ganze Szene wirkt extrem surreal, die Kameraführung ist wirklich außergewöhnlich und das Geschehen wird stimmungsvoll mit einer Coverversion von Eurythmics “Sweet Dreams“ unterlegt. (für das Original hat es wohl lizenztechnisch nicht mehr gereicht…) Man fühlt sich ein wenig an Videosequenzen aus dem Spiel “Silent Hill“ erinnert und ein ähnliches Gefühl von Grusel kommt auf.

Nach dem Titelbildschirm wechselt das Geschehen in ein Irrenhaus und von da an geht es mit dem Film nur noch bergab. Es stellt sich heraus, dass der fiese Bösewicht der Stiefvater unserer blonden Hauptdarstellerin ist und natürlich kein Interesse daran hat, dass irgendwann die wahre Geschichte ans Licht kommt. Aus diesem Grund wird “Babydoll“ (Ernsthaft?) in diese Nervenanstalt eingewiesen und ihr Vater besticht einen Arzt/Pfleger/was auch immer eine Lobotomie an seiner Stieftochter durchführen zu lassen. (Ich kann also davon ausgehen, dass der Film in den 1960er Jahren spielt?) Es bleiben Babydoll noch fünf Tage, bis der Arzt, der solche Eingriffe durchführen kann mal wieder auf Station sein wird.

Nach einem Zeitsprung sehen wir Babydoll gefesselt auf einem Stuhl. Ein Arzte setzt zur Lobotomie an, der Film hält an, die Farben des Films wechseln in ein etwas wärmeres Schema und die Szenerie in ein Striplokal/Hurenhaus/was auch immer. Natürlich ist es zu 100% offensichtlich, dass wir uns in einer alternativen, erdachten Fluchtrealität von “Babydoll“ befinden. Wir lernen vier weitere junge Damen kennen, deren Namen bedeutungslos sind. Anzumerken sei lediglich die schwarzhaarige Frau, die treffenderweise auf den Namen “Blondie“ hört. (…Tusch…) Alle Mädchen in diesem Haus sind Waisen oder sonst irgendwie allein gelassen und werden gegen Kost und Logis sexuell ausgebeutet. Sie müssen für die Gäste des Etablissements tanzen und eventuell auch weiter gehen. Es wird nicht explizit gesagt aber man kann es sich ja denken. “Babydoll“ soll nun vortanzen und versetzt sich im Geist in eine weitere Traumrealität, die diesmal zu 100% von einer Xbox 360, die in einen Pelikan-Farbkasten gefallen ist, gerendert wurde. In dieser Welt begegnet ihr ein David Caradine für Arme, der ihr erklärt, dass sie um zu entkommen (von wo?) fünf Dinge benötigt: Eine Karte, ein Feuerzeug, ein Messer, einen Schlüssel und ein Rätsel(???). (Aja, man brauch eine Karte um aus dem Irrenhaus zu kommen, einen Schlüssel für die Türen, ein Messer als Waffe und ein Feuerchen dient wohl zur Ablenkung, wow das war so subtil, ein dreijähriger hätte das sicher nicht erraten. Chapeau, Zack Snyder, Chapeau…) “Poor Mans David“ gibt “Babydoll“ eine Knarre und ein Katana und dem CGI Metzelfest der besonders stumpfsinnigen Sorte steht nichts mehr im Weg.

Ab diesem Punkt ist der Film eigentlich gelaufen. Die Mädels versuchen jetzt nach und nach diese Dinge zu besorgen und es geschieht immer wieder in diesen quietschbunten CGI Welten, deren Grafik bestenfalls mittelmäßig ist. Es wird kaum noch gesprochen, die Charaktere entwickeln sich keinen Millimeter mehr und der ganze Streifen fühlt sich an, als ob man irgendjemandem bei einem besonders dämlichen Hack`n`Slay Videospiel zu sieht. Es kommt keinerlei Spannung auf, die Bilder sind weit jenseits von beeindruckend und die Kampfsequenzen, die ab diesem Punkt 99% des Films ausmachen, viel zu lange, mit viel zu vielen Slowmotionteilen durchsetzte Computeranimationen der besonders sterilen Sorte. Man baut absolut keine Beziehung zu den Charakteren auf und als dann nach 80 Minuten irgendetwas schief geht und drei der fünf Hauptdarstellerinnen sterben, ist es dem Zuschauer eigentlich gerade mal völlig egal. Der Handlung macht das im Übrigen auch nicht viel aus, denn der Plan, der auf fünf Leute zugeschnitten war, wird dann einfach von den verbleibenden beiden Mädchen zu Ende geführt. Am Ende erfährt man dann noch was das Rätsel war, aber dieser Punkt ist mehr als schwammig und unschlüssig. Eine der Mädels kommt am Ende frei und darf zurück zu ihrer Familie. “Babydoll“ hingegen wird lobotomiert. (Na warum soll es ihr besser gehen als mir nach “Genuss“ dieses Filmes?)

Was bleibt zu sagen über “Sucker Punch“?

Es bleibt festzustellen, warum dieser Streifen hier am Rand des Wahnsinns besprochen wird. “Sucker Punch“ ist ein Paradigma für mieses Hollywoodkino und ein herrvorragender Grund sich in Zukunft nur noch B-Movies anzuschauen. Hier wurde mit einem Budget, von dem Lloyd Kaufmann, Roger Corman, Jack Arnold und die komplette unabhängige Filmindustrie nur Träumen können, ein pupslangweiliger, unschlüssiger, Film der bestenfalls als halbwegs patenter Videospiel-Trailer durch gehen könnte, erschaffen. Wofür wurde dieser Streifen bitte in den meisten Kritiken gelobt? Für CGI auf XBOX Niveau oder etwa für die Handlung, die es an Komplexität nicht ganz schafft eine Samson und Tiffy Episode der Sesamstraße zu übertrumpfen?

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Das Publikum wird mit farbenfrohen Bildern erst ins Kino gelockt und dann um 100 Minuten Lebenszeit und bis zu 13 Euro Eintrittsgeld betrogen. Leider ist diese Praxis heute Gang und Gäbe und “Sucker Punch“ befindet sich in bester Gesellschaft mit Filme wie “Transformers“, “The Fast and the Furious Teil 1- 200304“, “Prince of Persia“, “Kampf der Titanen 2009“ und viel zu vielen anderen Streifen, gleichem oder ähnlichem Niveaus.

In meiner Vergangenheit habe ich viele richtig schlechte Filme gesehen, aber nichts hat mich derartig ärgerlich gemacht wie immer wieder von den großen Hollywoodstudios derbe abgezockt zu werden. Wenn ich Filme wie “Hard Rock Zombies“, “Poultrygeist“ oder “Frankenhooker“ anschaue bekomme ich natürlich auch kein intellektuell anspruchsvollen Meisterwerke serviert, natürlich nicht. Ich bekomme Filme, deren Story weit abseits dessen ist, was ein durchschnittlicher Cineast auch nur als “normal“ bezeichnen würde. Ich bekomme Filmfehler, schlechte Dialoge und Masken, die jeglicher Beschreibung spotten. Aber ich bekomme oft auch, Ideen, Innovationen und Experimente zu Gesicht, die weit interessanter, provokativer und tiefgängiger sind als alles, was Hollywood dem Zuschauer für teuer Geld vor die Füße kotzt.

Ist “Sucker Punch“ ein schlechter Film?

Ich schaue seit 15 Jahren passioniert B-Movies und habe wirklich viele fürchterliche und niveaulose Filme gesehen, aber die Hochglanzproduktion “Sucker Punch“ sprengt den Rahmen dessen, was ich noch als “nur“ schlecht bezeichnen kann. Man könnte mir natürlich vorwerfen, dass ich als B-Moviefan nicht objektiv über eine Hollywoodproduktion urteilen kann und läge damit wahrscheinlich noch nicht einmal ganz falsch. Da dieser Streifen allerdings derartig katastrophal geraten ist, dass ich nicht zulassen kann, dass durch eventuelle Glaubwürdigkeitsdefizite meiner Person, irgendjemand entgegen meiner Warnung in sein nächstgelegene Lichtspielhaus zieht, um sich diesen Abfall anzutun, wird es an dieser Stelle zum ersten Mal in der Geschichte des Rand des Wahnsinns eine zweite Meinung zu einem Film in einer Review geben. Liebe Leser, hört nicht auf mich, hört was Bartwichtel zu „Sucker Punch “ zu sagen hat:

„Tjoa, was bleibt zu sagen zu Sucker Punch? Der Film suckt so dermaßen, dass es einem vorkommt wie ein punch in the face. Dieses, im Niveau schon sehr niedrig angesetzte, Wortspiel darf sogar copyrightfrei verwendet werden. Denn: Wann immer ihr jemanden davor bewahren könnt, sich diesen Film anzusehen… Zögert nicht! Ansonsten wird euch der abgrundtiefe Hass dieser Person auf ewig gewiss sein…“

Werde ich ihn mir nochmal ansehen?

Niemals! Nicht einmal unter Zwang.

* Die Sesamstraße (1973-Heute, Children’s Television Workshop (CTW)/ Norddeutscher Rundfunk (NDR))