Heute möchte ich mir die Zeit nehmen und einen großartigen Klassiker des B-Genre präsentieren. Einen Film, den man sich durchaus ansehen kann ohne sich 70 – 90 Minuten lang zu wünschen, es wäre bereits 70-90 Minuten später. Ich habe in der Vergangenheit mein Augenmerk eher auf neuere Filme geworfen, auf moderne B-Movies oder B-Movies der 80er Jahre. Ich denke, der Blog ist jetzt reif genug auch endlich mal einige Klassiker dieser wundervollen Stilrichtung vorzustellen. Also meine Freunde des Absurden, macht euch bereit für Jane Fondas 90minütige Strip- und Modenschau, die sich “Barbarella” nennt. Ich möchte vorweg schicken, dass ich den Film mit zwei weiteren Personen geschaut habe, wovon eine weiblich und eine männlich war. Es war interessant zu sehen, wie das Geschlecht der Zuschauer die Wahrnehmung des Films veränderte. Konnte die Zuschauerin der Handlung gut folgen und die Zusammenhänge des Films leicht erfassen, war es für uns Männer eher schwierig, dies zu bewerkstelligen. Allerdings konnten wir nach dem Film jedes Outfit von Jane Fonda im Detail beschreiben.
Da der Film weitestgehend bekannt sein dürfte, werde ich mich in der Zusammenfassung auf das Nötigste beschränken und anschließend einige Details des Films fokussieren.
Ich, für meinen Teil, denke, dass die Handlung “Barbarellas” gar nicht so übel ist. “Barbarella” erscheint als die beste Astronautin der Erde und wird von der Regierung gebeten, den verschollenen Wissenschaftler “Durand Durand” zu finden, da dieser plant eine Positronenkanone zu bauen. Mit dieser will er dann, wie soll es auch anders sein, die Herrschaft über das ganze Weltall an sich reißen. “Barbarella” macht sich also auf den Weg zu dem Planeten, auf dem “Durand Durand” vermutet wird, gerät dann allerdings in dessen elektrischen Strudel, der elegant mit einer Wunderkerze und einer grünen Folie vor der Kamera in Szene gesetzt wird, und stürzt ab. Sie wird von ausgesetzten Kindern gefangen genommen und einer ganzen Reihe “Chucky – Mörderpuppen” zum Fraß vorgesetzt. Natürlich wird sie von einem sehr stark behaarten Mann gerettet, dem sie sich zur Belohnung hingibt. (Na, diese Frau weiß sich noch ordentlich zu bedanken!) Der haarige Mann repariert ihr Raumschiff und empfiehlt “Barbarella” “Durand Durand” in “Soho”, der Hauptstadt des Planeten, zu suchen.
Dummerweise hat er den Antrieb des Raumschiffs “umgekehrt repariert” (O-Ton!!) und das Schiff bohrt sich nun durch den Planeten und erscheint in einem Labyrinth außerhalb “Sohos” auf der anderen Seite des Planeten. Hier trifft “Barbarella” einen blinden Engel namens “Pygar” und erfährt, dass im Labyrinth nur Ausgestoßene “Sohos” leben. Offenbar regiert “der große Tyrann” den Planeten und dieser duldet keine guten Wesen in der Stadt. Der Engel wurde geblendet und in das Labyrinth verbannt. Mittlerweile hat er sogar vergessen, wie man fliegt. Nun, wer hätte gedacht, dass die Heilung der Flugunfähigkeit ganz einfach zwischen Jane Fondas Schenkeln liegt. Nachdem sich “Barbarella”, mal wieder aus Dankbarkeit, auch dem Engel, in dessen Nest, (Jawohl Nest, Engel bauen Nester!) hingegeben hat, kann er wieder fliegen. (Großartig!) Als Erklärung, wieso in “Soho” nur böse Wesen erlaubt sind, wird der “Mathmos” angeführt. Der “Mathmos” scheint der Kern des Planeten zu sein, der aus komprimierter positiver elektrischer Energie besteht. (In Szene gesetzt durch graues Wasser) Der “Mathmos” ernährt sich von negativer Energie, die er wohl in “Soho” somit in Massen findet.
“Barbarella” wird letztlich von “Pygar” dem Engel nach “Soho” geflogen und dort ziemlich zügig gefangen genommen, weil sie es nicht mit dem “großen Tyrannen” treiben will. Dieser ist im Übrigen eine Frau mit einem Horn auf der Stirn, die sich “Barbarella” in Gestalt einer Bordsteinschwalbe anbietet. “Barbarella” wird also einem Haufen Wellensittiche als Vogelfutter vorgeworfen, kann aber mit Hilfe der Rebellen entkommen. Als Dank schläft sie mit dem Anführer und will bei der Rückeroberung “Sohos” helfen.
Wieder auf freiem Fuß, wird sie aber sofort vom bösen Adjutanten des Tyrannen gefangen genommen. Dieser will “Barbarella” mit seiner Superwaffe, genannt die “Lustorgel”, durch sexuelle Übererregung töten. Natürlich ist Jane Fonda aber so heiß, dass am Ende die “Lustorgel” Feuer fängt und den Geist aufgibt. (Wow!)
Es stellt sich heraus, dass dieser Adjutant “Durand Durand” ist, und “Barbarella” wird zusammen mit dem “großen Tyrannen” in eine Kammer mit unsichtbaren Wänden eingesperrt. Dummerweise wusste “Durand Durand” nicht, dass in dieser Kammer quasi auch ein Selbstzerstörungsknopf für den “Mathmos” installiert ist. (Ist klar! Ausgerechnet, so ein Zufall….Unfassbar) Alles wird zerstört und “Pygar” fliegt mit “Barbarella” und dem “großen Tyrannen” im Arm, mehr als zufrieden grinsend, (wie könnte man es ihm verdenken?) durchs All.
Der Film endet.
“Barbarella” ist ein witziger Film mit zwar billigen aber hübschen Effekten und Sets. Sich also über diese lustig zu machen, ist müßig. Natürlich kann der Film nicht mit heutigen Effekten mithalten, da er von 1968 ist und obendrein noch ein B-Movie. Alles ist allerdings wirklich liebevoll gebaut und umgesetzt worden und man kann durchaus von einem charmanten Design sprechen. Warum allerdings “Barbarellas“ Raumschiff wie eine Trillerpfeife aussieht, die obendrein ganz eindeutig aus Holz gebaut wurde, in “Soho” überall Luftpolsterkissen herumliegen und Wellensittiche plötzlich menschenfressende Killervögel sind, bleibt mir unklar. Wie man auf Wikipedia nachlesen kann, war an den Spezialeffekten ein späterer namhafter Hersteller von Lavalampen beteiligt und hätte ich dies nicht gelesen, hätte ich es sicher bereits vermutet. Die Omnipräsenz der Lavalampentechnik, insbesondere gegen Ende des Films, sieht wirklich sehr gut aus, wirkt aber in der Tat fast schon wie ein Werbefilm der Lavalampenindustrie.
Jane Fonda wechselt im Film an die zehn Mal ihr Outfit, wobei man maximal sechs Mal sieht, dass sie es auch in der Tat tut. Wo die restlichen Outfits herkommen, wann sie sie anzieht und wo die alten hin verschwinden, hält man nicht unbedingt für erklärungswürdig. (Warum auch?) Die Outfits sind immer hauteng, extrem sexy und lassen an den entscheidenden Stellen keinerlei Raum für Fantasie. Schon zu Beginn des Films wird dem männlichen Zuschauer der erste, jemals gedrehte, Strip in vollkommener Schwerelosigkeit präsentiert. Über den kompletten Vorspann dürfen wir bewundern, wie Jane Fonda sich schwerelos aus ihrem Raumanzug schält, bis sie sich vollkommen nackt im Raum umher dreht. (Bereits hier hatte der Film mich und meinen Kumpel für sich gewonnen) Auch im weiteren Verlauf des Films steht der Körper Jane Fondas konstant im Vordergrund und wird mit sehr guten Kameraeinstellungen perfekt in Szene gesetzt, so dass es wirklich kompliziert wird sich primär auf die Geschichte, die der Film erzählt, zu konzentrieren.
Der Film serviert dem Zuschauer eine gehörige Portion Humor, wobei oftmals unklar bleibt, ob dies gewollt oder ungewollt ist. Sicher ist allerdings, dass die vertrottelte Darstellung der Rebellen und deren Anführers mehr als einmal für einen herzhaften Lacher beim Schauen sorgte. Auch die naive Art “Barbarellas” ist durchaus unterhaltsam und gibt dem Film einen gewissen satirischen Charakter, der ihm, nebenbei bemerkt, sehr gut zu Gesicht steht.
Interessant fand ich auch, wie oft “Barbarella” in modernen Filmen zitiert oder gar kopiert wird. Neben den allseits bekannten Zitaten, die man an jeder Ecke im Internet findet, ist mir insbesondere aufgefallen, dass das ganze Regierungskonzept der Erde in “Demolition Man” wiederverwertet wurde. Natürlich ist alles ein wenig anders in “Barbarella”, aber das Grundprinzip ist das selbe. “Sanfte Grüße” wurde durch “Sieg der Liebe” ersetzt und die “Sexhelme” aus “Demolition Man” gibt es in “Barbarella” in handlicher Pillenform.
Alles in Allem wird man als Cineast ständig an irgendwelche Szenen anderer, späterer Filme erinnert. So weist “Pygar” eine erschütternde Ähnlichkeit zu den geflügelten Kämpfern der “Flash Gordon” Version von 1980 auf und bei den menschenfressenden Puppen musste ich unweigerlich an “Chucky” denken.
Die Musik des Filmes ist hervorragend. Wenn man eine Schwäche für “Jazz-Pop-Rock” der 60er Jahre hat, kommt man in diesem Film wirklich auf seine Kosten.
Was bleibt über “Barbarella” zu sagen?
Meiner Meinung nach ist “Barbarella” wirklich ein sehr unterhaltsamer Film, der hervorragend funktioniert. Dieser Film ist liebevoll umgesetzt, die Handlung ist verrückt aber witzig, Jane Fonda ist zu Recht ein Sexsymbol gewesen und man erlebt 90 amüsante Minuten. So manches moderne B-Movie könnte sich gerne eine dicke Scheibe von “Barbarella” abschneiden und somit anstelle von konstanter Intelligenzbeleidigung einfach mal lustige und gute Unterhaltung bieten, ohne dabei Niveau irgend einer Art an den Tag zu legen.
Ist “Barbarella” ein schlechter Film?
Absolut, entschieden und unumstößlich “nein”!
Werde ich ihn mir nochmal ansehen?
Er bekommt sogar einen Ehrenplatz in meinem DVD-Regal!
admin on März 6th, 2010 | File Under Reviews | No Comments -